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energiewende: sozial-ökologisch

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

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Wie kann der Austausch zwischen den 33 Forschungsprojekten gestärkt werden? Welche übergreifenden Ergebnisse bringt das Forschungsprogramm? Mehr

Informationen zur Benutzung


Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zu 33 aktuellen Forschungsprojekten. Sie werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems" gefördert. Die Projekte sind fünf thematischen Clustern zugeordnet:

Die Karte auf der Startseite zeigt die Cluster durch jeweils eine Illustration und die 33 Projekte durch eine rote Markierung. Durch Klicken auf eine dieser Markierungen öffnet sich ein kleines Fenster mit Kurzinformationen zu einem Projekt. Klicken Sie in diesem Fenster auf den Projektnamen, um ausführliche Informationen zu erhalten.

Alternativ können Sie auf die Projektinformationen auch direkt zugreifen, indem Sie den Menüpunkt "Projekte" wählen oder auf den Button "Liste" klicken.

Ein Stern in einem der roten Symbole zeigt an, dass es zu dem betreffenden Projekt Neuigkeiten gibt. Diese können Sie unter dem Menüpunkt "Projekt-News" abrufen. Dort sind die Nachrichten nach ihrem Erscheinungsdatum sortiert. Alternativ haben Sie dort auch die Möglichkeit, gezielt nach Nachrichten aus einem bestimmten Projekt zu suchen.

Schließlich finden Sie auf diesen Seiten auch Informationen zur Wissenschaftlichen Koordination des Forschungsprogramms.

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Energiekonflikte

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30.09.2016
Mit der Gerechtigkeitsdebatte Energiekonflikte produktiv wenden

Hinweis: Der folgende Ergebnisbericht wurde von den Forscherinnen und Forschern des Projekts Energiekonflikte erstellt. Weitere Ergebnisse des Projekts finden Sie unter diesem Link.

Warum treffen Windkraftanlagen oder der Ausbau der Stromnetze auf massive lokale Proteste, wo doch die große Mehrheit der Deutschen in Umfragen immer wieder angibt, für die Energiewende zu sein? Eine gängige Vermutung lautet: Menschen, die die Energiewende im Grundsatz begrüßen, lehnen ein konkretes Projekt deshalb ab, weil es ihre (wahrgenommenen) Interessen beeinträchtigt. Aber diese Haltung – in der Fachdebatte auch als NIMBY (Not In My Back-Yard) bezeichnet – trifft die Motive der Gegnerinnen und Gegner nicht wirklich. Wer diese eigentlich sind, welche Argumente sie vorbringen, und welche Gerechtigkeitsvorstellungen sie haben, hat das Projekt genauer beleuchtet.

Untersuchung von Konflikten

Dazu untersuchen die Forscherinnen und Forscher eine Reihe von Konflikten um den Ausbau von Windkraftanlagen und Hochspannungsnetzen in den drei Fallregionen Schleswig-Holstein, Berlin-Brandenburg und Baden- Württemberg. Neben Umfragen, Interviews und Gruppendiskussionen führen sie dazu auch teilnehmende Beobachtungen der mikrosoziologischen Konfliktdynamik durch. Und sie erheben für jeden Fall den Stand von Planungsverfahren und des Beteiligungsmodells, führen eine Diskurs- und Netzwerkanalyse durch und ermitteln die Lebensstile der Akteure. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Herausarbeitung der leitenden Gerechtigkeitsvorstellungen sowie die Frage, was Menschen dazu bringt, in einer Konfliktsituation sich für oder gegen ein bestimmtes Projekt auszusprechen und aktiv zu engagieren. Die Haltung zu Energiewendeprojekten ist differenziert zu betrachten, es gibt verschiedene Pfade der Haltungsänderung pro oder contra.

Merkmale der Gegnerinnen und Gegner

  • Zeit. Aktiver Protest setzt Zeit als strategische Ressource voraus.
  • Alter. Die Altersverteilung ist stärker in Richtung der Älteren verschoben.
  • Männer. Insbesondere auf der Ebene der (informellen) Leitung von Protestorganisationen finden sich mehr Männer als Frauen.
  • Mittelschicht. Bildung, Einkommen und Berufsstruktur weisen den Protest als Mittelschichtphänomen aus.
  • Vernetzung. Viele Aktivistinnen und Aktivisten sind in ihren Gemeinden gut vernetzt (Vereine etc.), was die Rekrutierung erleichtert.
  • Medienkompetenz. Die neuen Medien führen ebenfalls zu einer leichteren Rekrutierung sowie zur bundesweiten Diffusion von Argumentmustern.
  • Lebensstil. Der alltägliche Energieverbrauch der Projektgegnerinnen und -gegner ist breit gestreut und unterscheidet sich kaum vom Bevölkerungsschnitt.

Motive der Gegnerinnen und Gegner

Der Wertverlust des eigenen Hauses spielt eine untergeordnete Rolle. Wichtigere Motive als der Wertverlust sind Gesundheitsrisiken und der Naturschutz (besonders in Schleswig- Holstein), dass der Beitrag zum Klimaschutz nicht gesehen wird und die Anlagen als unwirtschaftlich gelten (Baden- Württemberg), oder dass die Bürgerbeteiligung mangelhaft ist und die bereit gestellten Informationen unglaubwürdig sind (Brandenburg). Hier sind Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Akzeptanz, die allerdings fallspezifisch angegangen werden muss. Den „harten Kern“ der Projektgegnerinnen und -gegner, je nach Fall sind das zwischen 30 Prozent und 60 Prozent, kann man damit aber meist nicht erreichen.

Gerechtigkeitsfragen spielen in lokalen Konflikten eine sehr wichtige Rolle. Das beginnt mit der Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit der Energiewende auf übergeordneter Ebene, zum Beispiel Ausnahmen bei der EEG-Umlage. Die Gegnerinnen und Gegener >nden es zudem nicht gerecht, wenn Kommunen, die schon belastet seien, nun von Windrädern quasi „umzingelt“ würden. Auch die Verfahrensgerechtigkeit wird oft bemängelt. Dabei werden die Gerechtigkeitskriterien oft nicht offengelegt.

Handlungsempfehlungen

Die Forscherinnen und Forscher empfehlen zukünftig eine explizit geführte Debatte über die Gerechtigkeitsprinzipien in Energiewendekonflikten. Pauschale Lösungen wie etwa die ersatzlose Streichung von § 35 BauGB (Bauen im Außenbereich) oder die Flächendeckende Einführung der 10H-Regelung (Mindestabstand Windkraftanlagen von Wohngebäuden) sind kontraproduktiv. Stattdessen wird eine Stärkung und verfahrensmäßige Öffnung der Regionalplanung sowie eine bessere Koordination mit den Kommunen benötigt. Eine bundesweite „Serviceagentur Energiewende“ ist ebenfalls sinnvoll, meinen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die glaubhaft die Abwägung aller Konfliktbelange vornimmt, Mediation anbietet und Fachkräfte in diesem Bereich fortbilden kann.

Auch dann aber bleiben Konflikte, weil manche Lasten zu (er-)tragen bleiben. Hier muss auch über die Kompensation von Gemeinden und von Bürgerinnen und Bürgern nachgedacht werden. Andernfalls droht der Energiewende eine noch tiefere Akzeptanzkrise – etwa dann, wenn kapitalkräftige externe Investoren großflächige Aufkäufe tätigen, befürchten die Forscherinnen und Forscher. Insgesamt hat das Projekt verdeutlicht, dass die Energiewende als großskaliger sozio-technischer Transformationsprozess quasi notwendigerweise zu Konflikten führt. Es kann nicht darum gehen, diese zu verhindern. Es muss vielmehr darum gehen, die Menge der unnötigen und unproduktiven Konflikte zu reduzieren, um aus den unvermeidlichen und produktiven zu lernen. Die Stärkung der Gerechtigkeitsdebatte ist dafür unverzichtbar.  

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